November 18, 2022

Aus dem Schwarzwald ins Bordeaux – Treffen Sie Eva Jung, Export Managerin bei Cheval Quancard

Der Weinbau und Weinhandel gehören zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen im Bordeaux. Als größter Arbeitgeber im Département und Beeinflusser von Natur und Landschaft, prägen die Winzer:Innen mit Ihren Entscheidungen die Zukunft der Region. Um ihrer Rolle gerecht zu werden, haben sich Unternehmen wie Cheval Quancard (Weinbauer und Négociant Eléveur nahe Bordeaux) dazu entschieden, den Standards der Corporate Social Responsibilty (CSR) zu folgen. 

Bei der CSR (Corporate Social Responsibility) basiert die Unternehmensstrategie auf ethischen Werten und Verpflichtungen. Im Bordeaux setzen sich die Winzer:Innen und Händler:Innen für eine nachhaltigere und gerechtere Gesellschaft ein. Wie das aussehen kann, erzählt Eva Jung u.a. in dem nachfolgenden Interview.

Als Weinbauer und Négociant-Éleveur verfügt Cheval Quancard über ein intensives Know-how. Was bewegte Sie dazu, diese Doppelfunktion einzunehmen?

Zur Beantwortung dieser Frage, müssen wir uns zurück ins Jahr 1844 begeben, als Pierre Quancard, seines Zeichens Berufsdestillateur, mit 30 Jahren zum Weinbauer wurde. Er legte den Grundstein für das heutige Unternehmen. Die Generationen nach ihm, haben den Besitz vergrößert, heute gehören 200 Hektar rund um Bordeaux zu Cheval Quancard in seiner Funktion als Weinbauer.

Cheval Quancard hat vor allem Mitte des 20. Jahrhunderts angefangen, Eigenmarken zu kreieren und diese mit Weinen von Winzer:Innen, deren Arbeit von den Cheval Quancard eigenen Önologen gesteuert und kontrolliert wird. Somit stellen wir sicher, dass die produzierten Weine unseren Ansprüchen gerecht werden. 

Diese Doppelfunktion gibt uns unseren Kunden gegenüber der Legitimität des Experten hier in Bordeaux. Und das gleiche gilt für unsere Winzerpartner: Dank unserer eigenen Erfahrung als Weinbauer sprechen wir die gleiche Sprache. 

Können Sie uns als Exportleiterin etwas über die Bedeutung des deutschen Marktes für Cheval Quancard erzählen?

Für Cheval Quancard war und ist der deutsche Markt der erste Exportmarkt. Wir stützen uns auf jahrzehntelange Verbindungen zu unseren Kunden vor allem im Fachhandel, aber auch in den anderen Absatzschienen. Unsere Abteilung ist auf den deutschen Markt ausgerichtet: drei deutschsprachige Personen stehen den Kunden zur Verfügung, um Qualität und Service zu garantieren.

 

Wie auch viele andere Weingüter im Bordelais setzt sich Cheval Quancard für einen bewussten und verantwortungsvollen Umweltschutz ein. Wie äußert sich dies in Ihren Weinbergen?

• Unser Stammsitz ist seit 12 Jahren ökozertifiziert für die Verarbeitung und den Vertrieb von biologischen Erzeugnissen.
• Unser Château de Bordes-Quancard hat die Umstellung zum ökologisch wirtschaftenden Betrieb nahezu erfolgreich abgeschlossen und wir können Ihnen den Jahrgang 2021 im kommenden Jahr mit dem berühmten Logo anbieten, das unsere Anstrengungen zertifiziert.
• Unser Château de Paillet-Quancard, ebenso in Umstellung zum Bioweingut, wird den ersten BIO-Jahrgang 2022 anbieten.

Wir legen ebenfalls besonderen Wert auf Rebgesundheit, Düngemanagement und den Schutz von Artenvielfalt und Biodiversität sowie Wassermanagement, den vier Säulen der HVE3 Zertifizierung (HVE = Haute Valeur Environnementale = hohe Umweltfreundlichkeit). So ist unser Weingut Paillet bereits HVE3-zertifiziert, Bordes wird es in diesem Jahr sein. Ein großer Anteil der Weine für unsere Markenweine, auf die wir stolz sind, stammt von Partnerbetrieben mit HVE3-Zertifizierung.

Cheval Quancard nutzt seit dreißig Jahren eine eigene Kläranlage für das anfallende Brauchwasser. Wir nutzen seit mehr als fünfzehn Jahren Partnerbetriebe, um unsere Abfälle wiederzuverwerten (Glas, Karton, Plastik, Papier, …) und wir unterstützen soziale Spendeneinrichtungen (französische Krebshilfe mit Korkensammlungen …).

In diesem gleichen Sinne sind wir seit mehr als zwanzig Jahren Partner eines lokalen Zentrums „Hilfe durch Arbeit“ mit der Integration Benachteiligter, die sich um die Pflege der 7 ha Grünfläche unseres Firmensitzes kümmert.

Erhalten Sie Unterstützung in Ihrem Bestreben nach mehr Nachhaltigkeit?

Unsere Direktion geht ganz klar diesen Weg! Wir waren unter den ersten Mitgliedsbetrieben des SME (Système de Management Environnemental = Umweltmanagementsystem der Bordeauxweine), initiiert 2010 durch den Bordeaux-Weinverband. Diese Vereinigung unterstützt ihre Mitglieder mit dem Ziel der gemeinsamen Zertifizierung ISO 14001, einer Norm mit definiertem Regelwerk zur Förderung von Umweltbelangen in allen Unternehmensbereichen, um so einen höheren Umweltstandard zu erreichen.

Covid-19, steigende Preise, Klimawandel, in letzter Zeit auch Waldbrände in der Bordeaux-Region… Wir leben in sehr turbulenten Zeiten. Was sind für Sie heutzutage die größten Herausforderungen?

Wir müssen uns jedes Jahr mit unerwarteten und gar bis dato unbekannten Ereignissen auseinandersetzen. Hier bei uns vor Ort, aber auch im weiten Ausland. Wir unterliegen direkt den geopolitischen Einflüssen und es müssen ständig neue Strategien und Lösungen gefunden werden, um Wege zu finden, diese Hürden zu nehmen. Ganz wichtig ist dabei ein guter Kontakt zu den Kunden und die Erfahrung auf den verschiedenen Märkten. 

Welchen Rat können Sie jungen Frauen geben, die in die Wein- und Spirituosenbranche einsteigen möchte?

Es ist ein sehr schöner Beruf. Er erfordert viel Engagement und Zeit, einige Wochenenden verbringt man auf Messen und Verkostungen beim Kunden. Doch man erlebt sehr viele schöne Momente und man ist eingebunden in eine sehr respektvolle und unterstützende Kollegenschaft, dazu zähle ich auch die Mitstreiter. Frauen, die sich gerne einsetzen, die abwechslungsreiche Arbeit lieben und einen verständnisvollen Partner zur Seite haben, werden in diesem Beruf glücklich.

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