Wir sind Bordeaux: Daisy Sichel vom Chateau Angludet
Portrait
März 9, 2018

Wir sind Bordeaux: Daisy Sichel vom Chateau Angludet

Obwohl Weinanbau in Bordeaux ein Business mit einer Jahrhunderttradition ist, so sind die Produzenten längst nicht so altbacken, wie man meinen könnte. Im Gegenteil! Der durchschnittliche Bordeaux Winzer ist gerade mal 26 und stark interessiert an Fortschritt, Nachhaltigkeit und der steten Weiterentwicklung seines Weins. Um euch eine bessere Vorstellung von den Menschen hinter dem Wein im Supermarktregal zu geben, stellen wir euch ein paar von ihnen in unserer Serie „Wir sind Bordeaux“ vor.Den Anfang macht Daisy Sichel, 26, vom Weinbetrieb Château Angludet, der seit 1961 ihrer Familie gehört. Daisy ist regelrecht in dieses Business hineingewachsen, ihre gesamte Familie beschäftigt sich mit dem Thema und jeder hat seine feste Rolle im Betrieb. Sie selbst ist für die Entwicklung von Weintourismus, Kommunikation und Marketing verantwortlich.

Deine Wurzeln sind britisch, kannst du erklären warum deine Familie begann in Bordeaux Wein anzubauen?

Ich würde sagen, diese Geschichte beginnt mit meinem Urgroßvater, der entschied in ein Château in Margaux zu investieren: Château Palmer. Zu dem Zeitpunkt war das Herzstück des Familienbetriebes noch in England basiert, es gab lediglich hin und wieder Trips nach Frankreich um den Handel mit Château Palmer zu prüfen. Erst als meine Familie das Angludet Anwesen kaufte, wurde sie auch hier ansässig.

Wie war es mit einer Familie aufzuwachsen, in der fast alle Mitglieder im selben Betrieb involviert sind?

Es hat viel Spaß gemacht! Wir alle haben uns immer sehr für den Handel und die Produktion von Wein interessiert, das ist einfach ein Teil von uns! Der Wein und seine Geheimnisse ist etwas, was mich immer angezogen hat, das war immer ein Thema zwischen mir und meiner Großmutter, meinen Onkels, Eltern, Schwestern und Cousins. Jeder hat viel Ahnung, der Austausch wird uns nie langweilig.

Wusstest du schon immer, dass du in den Familienbetrieb einsteiegn würdest?

Ich habe meine ganzes Leben auf diesem wundervollen Anwesen verbracht und endlose Stunden damit verbracht meinem Vater und meinen Onkels, alle Meister der Weinherstellung, zuzuhören, wenn sie über die Aromen, Geschmäcker, Tannine und Qualität von Wein diskutiert haben. Es war einfach immer klar, dass ich das eines Tages weitertragen würde. Es ist eine Art Lebensziel für mich.

Was fansziniert dich am meisten an der Herstellung von Wein?

Die Tatsache, dass jedes Jahr anders ist. Jeder Jahrgang hat seine ganz eigene Persönlichkeit, was das Ganze so spannend macht. Auch wenn wir unseren Teil zutun, am Ende des Tages kommt es darauf an, was uns die Natur gibt! Wie mein Großvater immer sagte: Der Charakter kommt vom Boden, die Qualität kommt vom Mann und die Persönlichkeit kommt von den Elementen.

Hast du ein Ziel wenn es darum geht guten Wein zu produzieren?

Immer zu verbessern, was wir tun, das Herkunftsgebiet zu schützen und den bestmöglichen Wein zu produzieren!

Der Winter 2017 war hart für Bordeaux, als der Frost circa 80% der Ernte in der Region gefordert hat. Wie betroffen war Angludet?

Es war hart, es ist hart und wird weiterhin hart sein. Wir waren stark betroffen von diesem grßoen Frost und verloren 85% unserer Ernte. Die Reben haben stark gelitten und es brach uns das Herz dies mit anzusehen, denn wir leben auf diesem Hof. An einem Tag sah man Knospen, alles war bunt und wundervoll und dann wahct man plätzlich eines Morgens auf und nichts ist mehr da. Über Nacht ging alles kapuut, als sei es tiefster Winter, dabei war es schon Ende April!

Was glaubst du ist der meistverbreiteste Missverständnis über Bordeaux?

Vielleicht die Idee, dass 2013 kein guter Jahrgang sei? Oder vielleicht, dass Bordeauxweine erst 20 Jahre reifen müssen, bevor man sie trinken kann? Dem ist längst nicht mehr so. Auch wenn die Weine besser und besser werden, je länger man wartet, auch ein junger Vintage, z.B 2011 oder 2012, kann sehr gut sein.

Wie ist es eine junge Frau zu sein, die in Bordeaux Wein herstellt?

Ich würde meinen Job nicht als Weinhersteller beschreiben. Was ich gerne machen würde ist es über die wundervollen Weine aus Château Angludet zu sprechen und sie bekannt zu machen. Mein Onkel macht diesen Zaubertrunk und ich will anständig darüber sprechen können. Wie könnte ich über ein Produkt sprechen wenn ich nicht wirklich verstehe wie es zu Stande kam? Das ist der Grund warum ich immer bemüht bin so viele Aufgaben wie möglich auf dem Hof zu übernehmen. Auf die Art verstehe ich nicht nur besser wie unser Wein hergestellt wird, ich kann es auch den Menschen erklären, die unsere Château besuchen.

Was ist das Beste daran in in Bordeaux Wein anzubauen?

Es ist soviel mehr als nur Weinanbau, ich habe oft das Gefühl hier passiert pure Magie! Die Qualität der Erde ist sehr beeindruckend und die Arbeit, die wir in jede Rebe, jeden Feldabschnitt investieren ist enorm. Dann die Umwandlung der Trauben in Wein während des Gährungsprozesses, das anschließende Abfüllen in Flaschen, Jahr für Jahr, all das ist ist etwas, was ich kaum beschreiben kann. Wir wissen, dass die Kombination aus Anbaugebiet, Natur und Mensch der ausschlaggebende Faktor ist und das macht es für uns so spannend. Wir sind sehr stolz auf unsere Arbeit.

Was ist deine Lieblingskombination aus Essen und Wein?

Oh, das hängt total von meiner Laune ab! Wenn ich einen guten Tag hatte und glücklich bin, trinke ich einen Reserve d’Angludet 2012 zu einem großen Teller feinem Aufschnitt. Wenn es draußen kalt ist und ich wieder zu Kräften kommen will, wähle ich eher einen Château Angludet 2011, den ich mit Rinderfilet, Pilzen und einer leichten Sauce kombiniere. Und wenn mal gar nichts mehr geht und ich mich down fühle, trinke ich definitiv immer einen Château Angludet 1964, 2002 oder 2010 (4 Stunden zuvor dekantiert) mit einem großen, saftigen Steak dazu – das ist die beste Kur für jedes Trübsal.

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