November 21, 2023

Bordeaux: Nachhaltigkeit ist Trumpf

Bereits seit 30 Jahren engagieren wir uns als Bordeaux Weinverband für mehr Nachhaltigkeit in unserer Region. Schon damals haben wir die Auswirkungen des Klimawandels kommen sehen – und begannen, uns vorzubereiten. Die Maßnahmen, die inzwischen greifen, sind äußerst vielfältig. Am deutlichsten zeigt sich das in unserer Vorreiterrolle im Bereich der Bio-Zertifizierung: In Bordeaux werden 23 % der Rebflächen ökologisch bewirtschaftet. 1.247 Weingüter sind bereits zertifiziert oder befinden sich in der Umstellung.

Bio ist aber natürlich nicht die einzige nachhaltige Maßnahme, die wir verfolgen. Wir verstehen Nachhaltigkeit als ganzheitliches Projekt, das auf sechs Säulen basiert.

Forschen für die Zukunft

Eine sehr wichtige Säule ist die Forschung. Denn nur mit neuesten Erkenntnissen kann sich die Region nachhaltig für die Zukunft aufstellen und dem Klimawandel entgegenwirken. Geforscht wird zum Beispiel, welche Rebsorten der immer größeren Sommerhitze am besten standhalten oder besser mit dem oft daraus resultierenden Wasserstress umgehen können. Seit 2021 dürfen bereits die vier neuen roten Sorten Arinamoa, Castets, Marselan und Touriga Nacional sowie die beiden weißen Sorten Alvarinho und Liliorila auf maximal fünf Prozent der Anbaufläche angebaut werden. Auch pilzwiderstandsfähige Rebsorten (PIWI) werden erforscht und für einen Einsatz in der Region sorgfältig geprüft.

Pestizide reduzieren

Die Forschung führt direkt zur zweiten Säule, der langfristigen Verringerung des Einsatzes von Pestiziden. Mithilfe von Sensorenim Weinberg, den sogenannten „GreenSeeker“, kann der Nährstoff- und Pflanzenschutzbedarf engmaschig kontrolliert und berechnet werden. Eine weitere Maßnahme ist zudem der Einsatz modernster Spritzgeräte, um einen Streueffekt zu vermeiden. Hinzu kommen Bewirtschaftungsprinzipien aus dem ökologischen oder biodynamischen Weinbau, um die Reben auf natürliche Weise zu stärken und so den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gering zu halten.

Soziale Nachhaltigkeit

Um nachhaltigen Weinbau zu betreiben, berücksichtigen wir auch den Faktor ‚Mensch‘ in allen Bereichen. Immerhin beschäftigt die bordelaiser Weinbranche rund 60.000 Menschen. Seit 2019 engagieren wir uns mit unserer kollektiven Initiative „Bordeaux cultivons demain“, die auf den Grundlagen des internationalen Standards ISO 260000 basiert, für soziale Nachhaltigkeit. Dazu zählen gute Arbeitsbedingungen, faire Löhne, aber auch Umweltschutz sowie die Umsetzung sozialer Projekte und kultureller Veranstaltungen. Jedes Jahr zeichnen wir Weingüter und Négoces aus dem Bordelais mit dem Nachhaltigkeitslabel aus, das auch auf den Etiketten abgebildet werden darf. Unser Ziel: Bis 2030 sollen 30 % aller verkauften Bordeaux-Weine dieses Nachhaltigkeitslabel tragen.

Artenvielfalt erhalten

Ob die Begrünung der Rebzeilen, das Pflanzen von Bäumen und Sträuchern entlang der Weingärten oder das Anbringen von Insektenhotels – Biodiversität wird in Bordeaux großgeschrieben. Selbst in nicht zertifizierten Weinbergen kann man inzwischen Schafe oder auch Hühner sehen. Steinhaufen bieten vielen Tieren wie Eidechsen oder kleinen Schlangen Unterschlupf. Auch siedeln unsere Winzer:innen häufig gezielt Fledermäuse an, um einen natürlichen Fressfeind gegen schädliche Motten zu haben.

Verringerung des CO2-Fußabrucks sowie den Wasser- und Energieverbrauchs

Immer mehr Bordeaux-Weingüter verwenden leichtere Glasflaschen, um ihren CO2-Ausstoß zu reduzieren. Während der Gärung wird außerdem CO2 aufgefangen und aufbereitet. Rebschnitt wird verstärkt kompostiert, die Abfallmenge reduziert, Regenwasser gesammelt und Solarkraft genutzt, um eigenständig Strom zu erzeugen. Auch hier sind die Maßnahmen vielfältig und sehr agil.

Praktische Lösungen für das Umweltmanagement

Bereits 2010 haben wir mit dem Umweltmanagementsystem (UMS) eine Umweltmaßnahme initiiert, die den Winzer:innen dabei hilft, sich auszutauschen und ihre Erfahrungen zu teilen. Auch Handelshäuser und Genossenschaften sind an dieses UMS angegliedert. In Arbeitsgruppen wird zunächst ermittelt, was in der direkten Umgebung nachhaltig verbessert werden kann. Dann wird gemeinsam ein Aktionsplan erarbeitet, der anschließend umgesetzt wird – oft auch mit Hilfestellung durch gezielte Schulungen. Eine gemeinsame, lösungsorientierte Arbeit, die unser Verband gezielt fördert.

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