Merlot in Bordeaux – Alltagswein und Bluechip
Weinwissen
Oktober 18, 2016

Merlot in Bordeaux – Alltagswein und Bluechip

Merlot – Diese Rebsorte ist sprichwörtlich in aller Munde und in der ganzen Weinwelt zuhause. Sie ist aber noch viel mehr.

Die Bezeichnung Merlot kommt aus dem Französischen und leitet sich von dem Wort „Merle“ab, übersetzt Amsel. Wobei nicht ganz klar ist, ob es sich um die blauschwarze Färbung des Vogels handelt, welche auch die Traube aufweist oder die Vorliebe der Tiere für süße Beeren.

Diese Rebsorte ist sprichwörtlich in aller Munde und in der ganzen Weinwelt zuhause.

Die Gesamtfläche des Merlot beträgt  267.215 ha weltweit (Stand 2010). Platz eins belegt, oh Wunder, Frankreich mit 114.615 ha wovon 69.138ha in Bordeaux zu finden sind. Womit wir uns mitten in der Wiege des Merlot befinden. Ihre glorreiche Reputation begann bereits durch steigende Qualitäten im 18. Jahrhundert am rechten Ufer der Gironde und Dordogne, wo sie ihren heutigen Zenith in St.Emilion und Pomerol hat.

Während das rechte Ufer bereits Merlot als fest etablierte Sorte feierte, dauerte es noch einige Dekaden, bis sie am linken Ufer als ebenbürtiger Partner der Cabernet Sauvignons im Médoc akzeptiert wurde. 89% der Weine im Bordelais sind heute Rotweine, Merlot bedeckt 66% der Rebfläche – Tendenz steigend. Woran liegt das? Und wodurch zeichnet sich ein Merlot dominierter Wein aus?

Zuerst einmal betrachten wir die Rebsorte von ihrer stilistischen Seite:

Sie ist eine frühreifende Sorte, die relativ unprätentiös im Weinberg ist, d.h. kaum anfällig für Krankheiten. Am besten gelingt sie auf sandig-lehmigen Böden, wie sie im Libournais aber auch zwischen Garonne und Dordogne zu finden sind. Im Glas präsentiert sich Merlot sehr dunkel mit einem Bouquet von reifen Beeren, bei besonders guter Qualität mit deutlichen Schokoladennoten, sehr würzig und vielschichtig. Am Gaumen mollig-weich mit mittlerer Säure und meist angenehmeren Tanninen. Saftig-süffig mit ausgeprägter Frucht, wenn unkompliziert, stoffig-dicht mit intensiv würzigen Noten, wenn komplex und sehr hochwertig.

Da man Merlot in so vielen Facetten ausbauen kann, macht sie das auch vielseitig einsetzbar.

Wir finden sie vor allem in besonders guter Preis-Ratio im mittleren Segment wieder. Aber auch als Anlagewein, der sogenannten Bluechip Weine macht sie eine gute Figur. Einige der teuersten und gesuchtesten Weine der Welt bestehen aus fast 100% aus Merlot – Château Petrus aus dem Pomerol oder Le Pin, beide für 2.000 – 3.000 Euro je nach Jahrgang pro Flasche zu haben. Allerdings nur bei außerordentlich guten Kontakten oder Polit- und Showbiz Status.

Doch kehren wir zur erreichbaren „goldenen Mitte“ zurück.

Wie ich bereits bei meinem ersten Blog Eintrag berichtet habe, schöpfe ich sehr gerne aus dem Repertoire der Weine aus dem Booklet „ 100 Bordeaux zum Entdecken“. Dort findet man eine gute Auswahl und Übersicht an Weinen mit gutem Preis-Genuss Verhältnis.

Auch hier einige Exemplare mit 100% Merlot , die der obrigen Beschreibung sehr gerecht werden:

Château Croix du Rival Cuvée261, Lussac St.Emilion

Château de Seguin Cuvée Carpe Diem, Bordeaux Superieur

Château la Gorre, Cru Bourgois Médoc

Von: Sandra Junker

Sandra Junker wuchs idyllisch zwischen  den Weinbergen des Mosel-Saar-Weingebiets auf und entdeckte bereits früh ihre Liebe zum Wein. Während ihres Diplom-Studiums an der Sommelier-Schule in Washington D.C. und San Francisco, fing sie an sich für die Weine des Bordelais zu begeistern und vertiefte ihr Wissen bezüglich dieses Gebiets. Trotz oder vielleicht gerade wegen langjähriger Arbeit als Tutorin für den CIVB, ist sie überzeugt von den hervorragenden Weinen und der traumhaften Landschaft von Bordeaux.

O-Ton Sandra: „It’s pure passion.“

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