Nachhaltiger Weinbau in Bordeaux: Ambitionierte Ziele, messbare Erfolge
News B2B
September 11, 2020

Nachhaltiger Weinbau in Bordeaux: Ambitionierte Ziele, messbare Erfolge

Weine aus nachhaltiger Produktion liegen im Trend: Laut einer 2019 vom Weinverband Bordeaux in Auftrag gegebenen tudie von Wine Intelligence treffen 76 Prozent aller deutschen Weintrinker ihre Kaufentscheidung auch danach, ob ein Wein nachhaltig beziehungsweise  mweltschonend hergestellt wurde.

Immerhin 54 Prozent sind bereit, dafür auch mehr Geld auszugeben. Bei Fans von Bordeaux-Weinen würden sogar 60 Prozent für einen Wein aus nachhaltiger Produktion tiefer in die Tasche greifen. Danach befragt, welche Herkünfte in Sachen Nachhaltigkeit die Nase vorne haben, nannten sie das Anbaugebiet Bordeaux an zweiter Stelle hinter den deutschen Weinregionen.

Kein Wunder, denn bereits seit mehr als 20 Jahren engagiert sich die bordelaiser Weinbranche für mehr Nachhaltigkeit in der Weinproduktion – sei es beim Gewässerschutz, bei der Verringerung des Pestizideinsatzes oder auch bei der Reduktion des CO²-Ausstoß.

Ehrgeizige Ziele steckten sich die Akteure im Jahr 2013: Bis 2030 sollen 100 Prozent aller Rebflächen in Bordeaux umweltzertifiziert sein. Unrealistisch? Von wegen! Heute, nur 7 Jahre später, haben sich schon mehr als 65 Prozent der bordelaiser Weinberge einer nachhaltigen Produktion verschrieben.

Marie-Catherine DufourMarie-Catherine Dufour, Technische Direktorin beim Weinverband Bordeaux erklärt, mit welchen innovativen Techniken die Winzer diese Entwicklung vorantreiben:

Was ist Ihre Rolle beim Weinverband Bordeaux?

Marie-Catherine: Ich leite die Technische Abteilung des Verbands. Unsere Aufgabe ist es Wege zu finden, wie wir den Herausforderungen von morgen durch Innovation begegnen können.

Könnten Sie uns kurz erläutern, wie Bordeaux an das Thema Nachhaltigkeit herangeht, welche Ziele sie erreichen möchten und wie weit Sie dabei schon gekommen sind?

Marie-Catherine: Wir haben 2007 unsere erste Analyse des Klimas in den Weinbergen von Bordeaux durchgeführt, um unseren CO²-Fußabdruck zu ermitteln, im Jahr 2013 haben wir dies wiederholt. In diesem Zeitraum ist der CO²-Fußabdruck unseres Sektors um 9% zurückgegangen. Unser Ziel war es jedoch, unseren CO²-Fußabdruck zwischen 2007 und 2020 um 20% zu verringern. Zu diesem Zweck schufen wir eine Umweltstrategie, den „Klimaplan“, der die Winzer ermutigen soll, angesichts des Klimawandels verantwortungsvollere Praktiken anzuwenden. Aktuell führen wir unsere dritte Analyse des CO²-Fußabdruck durch, um eine neue Klimastrategie für das nächste Jahr zu entwickeln. Zweifelsohne wird sich daraus unsere neue Herausforderung ableiten: Bis zum nächsten Zielzeitraum Klimaneutralität zu erreichen!

In den letzten 10 Jahren haben wir die Schaffung von Umweltzertifizierungen entwickelt und gefördert und unsere Winzer ermutigt, diese zu erhalten. Als Ergebnis können wir heute mit Stolz sagen, dass 65 % unserer Weinberge durch eine Umweltzertifizierung wie „Ökologische Landwirtschaft“ oder „Hoher Umweltwert“ (ein französisches Label, das vom französischen Landwirtschaftsminister gefördert wird) anerkannt sind. Unser Ziel ist es, dass 80 Prozent unserer Weinberge bis 2025 eine Umweltzertifizierung erhalten haben – bis zum Jahr 2030 sollen es 100 Prozent sein.

Im Laufe des letzten Jahres haben wir auch begonnen, unseren Winzern zu verdeutlichen, wie wichtig es ist, eine Strategie für gesellschaftliche Verantwortung zu haben. Während unser Ziel darin besteht, unsere Anstrengungen im Bereich Umwelt fortzusetzen hoffen wir, dass 60 Prozent der Anbauflächen bis 2030 in eine entsprechende CSR-Strategie eingebunden werden.

Bordeaux hat sich zum Ziel gesetzt, dass 100% der Weinberge nachhaltig bewirtschaftet werden. Wie wollen Sie dies konkret erreichen?

Marie-Catherine: Wir hoffen, dies in fünf Schritten zu erreichen:

1. Förderung der Erlangung von Umweltzertifizierungen
2. Stopp der Verwendung der schädlichsten Pestizide
3. Förderung des Einsatzes von Pestiziden, die in der biologischen Landwirtschaft erlaubt sind, sowie von Produkten der Biokontrolle (wir führen derzeit Forschungen zu diesem Thema durch)
4. Förderung der biologischen Vielfalt im Weinberg, um ein neues Gleichgewicht zu schaffen, das die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen begünstigt (wir schaffen ein Netzwerk von Weinbauern, die die biologische Vielfalt in ihren Weinbergen beobachten, um ihre Auswirkungen auf das natürliche Gleichgewicht und die Landschaft zu verstehen).
5. Reduzierung von Abfällen und Energieverbrauch durch die Einführung innovativer Verfahren. So arbeiten wir beispielsweise an der Umwandlung des CO² aus der alkoholischen Gärung in Salicylsäure.

Wie unterstützt der Bordeaux Weinverband seine Winzer auf ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit   

Marie-Catherine: Wir unterstützen die Weinbauern auf vielfältige Weise. In erster Linie investieren wir jährlich 1,2 Millionen Euro in die Forschung. Die Ergebnisse vermitteln wir durch Fachbücher und Seminare. Und am wichtigsten von allem: wir haben eine neue Gemeinschaftsorganisation gegründet, in der wir unsere Erfahrungen austauschen und uns gegenseitig bei unseren Bemühungen unterstützen können.

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