Das komplette Bordeaux-Team hüpfte durch’s Büro, als die Anmeldebestätigung kam: Am 6. Mai würden wir beim Rollin’ Restaurant dabei sein, eine Art klassischer Supper Club mit sehr unklassischen Motti für die mehrgängigen Menüs. Keine Frage, das stand ganz oben auf unser aller Wunschliste für einen kulinarischen Berliner Abend.
Und wir wurden nicht enttäuscht. Das Motto? „Monochrom“. Ja, richtig gelesen – jeder Gang war einfarbig. Die gemütliche, schummrig beleuchtete Location (Mulax) war großartig, leider kam sie nur unseren Fotos weniger zu Gute, daher schaut euch die Bilder der einzelnen Gänge am besten auf der Seite des Rollin’ Restaurant an.
Zum Start gab’s eine Bloody Mary in unkonventioneller Form: Tomaten-Sellerie-Sorbet mit Tabasco, als kleine Eiskugel serviert, mit einem knusprigen Stück Bacon anbei – und den alkoholischen Anteil, Vodka mit einer Infusion von Dill und gerösteten Senfsamen, gab’s im Glas separat. Beides zusammen konsumiert, ergab die beste Bloody Mary, die wir jemals getrunken haben. Ein toller Magenöffner für das, was danach kam.
Der erste Gang war grün: Zunächst lag grüner Spargel, mit Kresse und einer Art Apfel-Anis-Gel, auf unserem Teller und wirkte sehr spartanisch. Die volle Ladung Grün wurde dann dazugegeben – und zwar kalte Erbensuppe mit ganz feinem Anisaroma. Jeder Tropfen der Suppe wurde sorgfältigst mit dem gereichten Brot vom Teller gedippt – super erfrischend, tolles Sommergericht. Der dazu servierte, säuerlich-jugendliche Sauvignon Blanc passte übrigens hervorragend.
Rot ging es weiter: mit Rote Beete-Sorbet, Ziegenkäse in Rote Beete-Pulver gewälzt, Rote Beete-Vinaigrette und Sprossen. Vorher sagte eine Sitznachbarin noch besorgt, dass sie ja keine Rote Beete möge, wollte dann aber am liebsten in der Küche noch mehr von dem herausragend leckeren Ziegenkäse haben.
Der dritte Gang war leuchtend orange: Geräucherter Saibling, eingelegte Karotten, geräuchertes Karottenpüree, frittierte Karottenstreifen, Eigelb-Vinaigrette und Forelleneier vereinten sich farblich zum vermutlich perfekten Essen für jedes niederländische Königsdinner. Wie schon beim roten Gang absolut faszinierend, wie viele Geschmacksfacetten sich in verschiedenen Variationen ein und desselben Gemüses verstecken können – erst beim Schreiben dieses Blogposts merkten wir, wie viel Karotte in diesem Gang wirklich steckte. Der Saibling ganz zart, die frittierten Karottenstreifen raffiniert, Oranje ganz weit vorne.
Nach den beiden sehr knalligen Gängen wurde es farblich dezenter. Der weiße Gang bestand aus Weller, einer Hollandaise zum Reinlegen mit Holunderbeeren-Blüten-Essig, saurem Spargel und Süßwurzel. Der gesamte Tisch war sich einig: Mit dem Fisch könnte man den härtesten Fischhasser bekehren. Butterzart, hammer-aromatisch. Der säuerliche, rohe Spargel in Kombination mit der Süßwurzel und der Hollandaise auch ganz großes Kino.
Der vorletzte Gang zeigte sich in braun – mit Perlhuhnbrust und –krokette, Brotcreme, Pilzcreme, Bratensauce und Pilzen. Gerade die knusprigen, sehr intensiv-aromatischen Krümel in der Sauce gaben dem Gericht einen richtigen Kick. Noch einmal etwas richtig Herzhaftes vor dem wirklich sehnsüchtig erwarteten Dessert.
Farblich gewann das Dessert eindeutig den Jackpot – intensives Pink war das Motto dieses Ganges, erreicht durch Rhabarber, Rhabarber, Rhabarber. Als Gel, Eis, Biscuitkuchen und in Kombination mit weißer Schokolade. Ein perfekter, leichter, ausgewogen süß & dezent säuerlicher Abschluss.
Wir sind immer noch begeistert beim Gedanken an diesen wunderbaren Abend in Berlin mit so vielen Farben und Geschmacksexplosionen. Dennoch werden wir wohl eher nicht versuchen, die Kreationen nachzukochen, wir könnten schließlich nur scheitern. Aber wir möchten euch sehr ans Herz legen, dem Rollin’ Restaurant auf Facebook zu folgen oder regelmäßig die Website zu checken, um auch einmal dabei zu sein.
Ein großes Dankeschön an die drei Köche und die fantastische Crew vom Mulax für diesen einmaligen Abend!